Für den heutigen Tag haben wir uns die dritte Etappe des Malerweges vorgenommen. Ich hatte auf einen ruhigen Heidespaziergang gehofft, aber mein Mann meinte, ich solle mir das doch zutrauen und wenn es mir zu viel wird, solle ich eben weniger laufen. Letzteres ist keine Option und gerade diese Etappe reizt mich sehr, deshalb bin ich einverstanden.
Start ist 11.45 am Strandhotel Stadt Wehlen (erste Stempelstation). Wir richten uns nach den Etappen unseres Heftchens zum Malerweg – im Internet beispielsweise stehen andere Etappen. Zunächst geht es an der Elbe entlang nach Rathen. Hier müssen sich Wanderer, Radfahrer und Anlieger mit ihren Autos den Weg teilen. Die heutige Tour ist mir Gelegenheit, meine neuen Bergstiefel einzulaufen. Ich habe sie mir, zugegeben, sehr ungern gekauft, da ich sehr für Leichtigkeit beim Wandern bin. Aber für Wanderungen im Hochgebirge, wurde mir geraten, seien feste Bergstiefel sehr wichtig, gerade für Anfänger. Nun habe ich diese schweren, steifen Dinger an den Füßen und denke mir: da muss ich jetzt durch. Ich werde sie heute so lange wie möglich tragen.
Der Blick ins Elbtal ist hier sehr idyllisch. Bald sind wir in Rathen und wenden uns zunächst Richtung Amselsee, um uns am Hotel Amselgrundschlösschen die zweiten Stempel zu holen. Mein Mann möchte ein Eis, mir ist eine gekühlte Cola light lieber. Dann geht es hinauf zur Bastei. Wie zu erwarten war, ist dieser Streckenabschnitt gut besucht. Familien mit Kleinkindern, Touri-Gruppen, die mitunter im Zeitlupentempo gehen – aber wir kommen doch ganz gut hoch und nehmen alle Aussichtspunkte mit. Mich reizen daran vor allem der Auf- und Abstieg wegen des Trainingseffekts. Ansonsten ist die Bastei bestenfalls an einem Wochentag ein Wunschziel für mich – das Gedränge und die vielen Leute sind mir eher unangenehm. An den Felsen hier kann man immer wieder Bergsteiger beobachten. Im Berghotel Bastei gibt es die nächsten Stempel, und ich nehme mir einen Hotelprospekt mit. Der Abstieg durch die Schwedenlöcher ist eine gute Gelegenheit, in meinen Schuhen bergab zu laufen. Hier hätte ich gern Stöcke zur Ergänzung und überlege mir, ob ich mir doch vor dem Urlaub welche zulege. Dieser Weg ist richtig wildromantisch und gefällt Kindern meist sehr gut.
An der Amselfallbaude gibt es die nächsten Stempel und Eiskaffee. Hier haben wir an die sieben Kilometer zurückgelegt, und meine Schuhe drücken noch nicht. Im Rucksack habe ich Wechselschuhe dabei, aber so lange es geht, möchte ich die Bergstiefel tragen. Es geht nun wieder bergauf nach Rathewalde. Diesen Streckenabschnitt kennen wir noch nicht, und er ist auch nicht zu überlaufen. Am Parkplatz in Rathewalde zweigt der Wanderweg rechts ab Richtung Hockstein. Wir laufen eine ganze Weile auf einer Hochebene entlang und haben gute Sicht auf Lilienstein, Königstein und andere Erhebungen der Sächsischen Schweiz. Die Hocksteinschänke ist die nächste Stempelstation. Hier rasten viele Motorradfahrer, die die erneuerte Landstraße offensichtlich sehr gern befahren. Wir sind froh, wieder in den Wald einbiegen zu können. Über die Teufelsbrücke gelangen wir auf den Hockstein mit seinen spektakulären Aussichtspunkten. Von hier aus können wir in die Wolfsschlucht hinunter sehen, welche den Komponisten Carl Maria von Weber zu seiner Wolfsschluchtszene in der Oper „Der Freischütz“ inspiriert hat. Bei einer Aussicht zögere ich, bis ans Geländer zu gehen, aber ein Wanderer meint, das Geländer sei fest und eine Frau ermutigt mich, mich zu trauen – da gehe ich doch bis ans Geländer und kann tief ins Polenztal hinunter schauen.
Bergab geht es genau über die Stiege, die wir von der Teufelsbrücke aus gesehen haben. Dann sind wir im Polenztal, und die Polenztalschänke gibt die nächsten Stempel aus. Ich hatte angenommen, wir könnten im Polenztal bleiben, aber unser Weg führt gleich wieder hinaus. Wir wandern nun auf dem Hohenstein-Lehrpfad Richtung Gautschgrotte, aber es soll noch eine Weile dauern, bis wir dort ankommen. Die Gautschgrotte ist ein imposanter Felsenkessel, ein paar Meter abseits vom Malerweg gelegen. Seit einer Weile schon sind dunkle Wolken aufgezogen, und wir fürchten, vom Regen überrascht zu werden. Als wir weiter gehen, klart es wieder auf. Wir sind noch eine ganze Weile unterwegs, und ich überlege, wie viele Kilometer es sein könnten. Das Navigationssystem meines Mannes sagt 12,5 – ich mag das nicht glauben. Für mich fühlt es sich wie 22 Kilometer an. Er bemerkt, dass sein Gerät mehrmals kein Signal gefunden hat, und die Beschreibung im Heft sagt uns, dass wir bald 18 Kilometer unterwegs sind – Höhenmeter nicht inbegriffen.
Als Kind war ich oft in der Sächsischen Schweiz unterwegs, aber diesen Streckenabschnitt am Polenztal kenne ich noch nicht. Am Brand, wohin unser Weg führt, war ich ebenfalls noch nicht und bin sehr gespannt auf den „Balkon der Sächsischen Schweiz“. Als wir auf der Brandstraße unterwegs sind, bin ich schon ziemlich müde und wünsche mir eine Rast. Die Brand-Baude bietet uns endlich dazu Gelegenheit – und wir bekommen die letzten Stempel für diese Tour. Die Aussicht von der Terrasse ist überwältigend - wir haben einen wunderschönen Panoramablick über die bedeutendsten Erhebungen der Sächsischen Schweiz. Und es gibt alkoholfreies Bier – bei einer solchen Tour genau das Richtige. Inzwischen ist es nach 17 Uhr und wir machen uns Gedanken, wie wir nach Hause kommen. Die kürzeste Strecke, sagt man uns, sei über die Brandstufen hinunter ins Tal und dann an der Straße entlang nach Rathen. Wir nehmen diesen Weg, weil wir die angekündigten Regenwolken schon sehen können.
Die Brandstufen hinabzugehen heißt: viele, viele Treppen und meist kein Geländer. Es ist trotzdem ganz gut zu schaffen und Punkt 18 Uhr sind wir im Tiefen Grund. Der Basteikraxler – ein Sonderbus – ist kurz nach 17 Uhr zum letzten Mal gefahren. Das heißt, wir müssen nach Rathen oder Bad Schandau wandern. Wir laufen rechts herum, in der Annahme, dort nach Rathen zu gelangen. Glücklicherweise führt ein Wanderweg neben der Straße entlang, der zeitweise richtig romantisch ist. Nach einer Weile kommen wir in Porschdorf an. Ein Weg führt nach Ostrau und zum Bahnhof. Ostrau wäre schon mal nicht schlecht, weil es in der Nähe von Bad Schandau ist, also gehen wir dort entlang. Am Bahnhof in Porschdorf studieren wir den Fahrplan und bemerken zu unserer großen Freude, dass die Semmeringbahn in 10 Minuten Richtung Bad Schandau abfährt. Das ist aber ein glücklicher Zufall! So kommen wir noch relativ pünktlich zur S-Bahn nach Dresden, die fünf Minuten später auf dem Nachbargleis abfährt. Es beginnt erst zu regnen, als wir fast schon zuhause sind. Fazit: einen Teil der heutigen Strecke wollen wir unbedingt mal wieder gehen – vor allem die Brand-Bergbaude möchten wir wieder aufsuchen. Meine Bergstiefel haben mich bis nach Hause getragen, ohne dass sie gedrückt hätten, und ich freue mich sehr über diesen Kauf.
Fotos
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen